Am Fluss
Die Tage sind sonnengeflutet, vibrierend vor Hitze und die Welt um mich scheint auszutrocknen. Ich fühle mich träge, lustlos, ohne die geringste Energie. Verstimmt lasse ich mich ins Atelier treiben, ohne Vorsatz, ohne Idee und spüre beim Anblick meines Arbeitstisches, dass auch keine Idee aufkommen will, nein, heute nicht!
Also räume ich in meinen Skizzen auf, werfe manche in den Papierkorb, lasse einige wenige bleiben. Auf den Malbrettern kleben noch Papiere, irgendwelche alte Farbstudien, mehr nicht. Diese da zum Beispiel, Blau, das fließt, von einem Rand zum anderen… Blau mit ein paar gelben Flecken drin, irgendwie erheiternd, angenehm, kühl, wie Flusswasser.
Nun gut, Pinsel, Wasser, Deckfarben her! Kobalt, Zitrone, Ocker, Umbra, ganz klassisch und einfach. Ich teile das Blau in oben und unten, in heller und dunkler, lege blaue Schichten, über dem Gelb wird es grün, blaugrünes Wasser, fließendes Wasser…
Ich schließe die Augen und sehe den Fluss, dunkel, tief und still, das gegenüberliegende Ufer hügelartig ansteigend, wild überwachsen. Das Mischen von Grün in allen Klängen, die Suche nach Größen, Formen und Wachstum ist wohltuend meditativ. Bäume wachsen am Ufer, schlichte blaue Stämme, dicht belaubte Kronen werfen Schatten über das Wasser. Im Vordergrund, da wo ich stehe, liegen Steine, guter fester Boden, das spüre ich. Die innere Spannung beginnt sich zu lösen, allmählich breitet sich Ruhe aus.
Unvermutet löst sich ein Vogel mit mächtigen Schwingen aus dem Geäst. Ich bin überrascht, gebe ihm noch etwas mehr Gestalt und lasse ihn fliegen. Ich habe ihn ja gerufen, er verkörpert meine Kraft, meine Lebensfreude und Leichtigkeit.
Toll, denke ich, die Farben haben mich wieder einmal nicht im Stich gelassen, mir geht es prima! Zufrieden summend schließe ich meine Ateliertüre und tauche ein in den glutwarmen Sommerabend.
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